Peter Albert ist Architekt, was man seinen aktuellen Bildern kaum ansieht. Den Skizzenbüchern, in denen er seine Reiseeindrücke festhält, schon eher. Da zeichnet er ein getreues Bild: So ist die Welt, ich hab's gesehen, ich war hier und die Welt war da. Diese Skizzen verraten ein intensives Schauen und eine Vertrautheit mit dem Dinglichen.

Peter Alberts frühe konkrete Arbeiten sind von klarer Struktur, fast sind sie didaktisch in ihren abgemessenen Graustufen und spektralen Farbverläufen.

Mehrere Aufenthalte in Syrien zwischen 1973 und 1977, wo er als Architekt den Bau des Nationaltheaters betreute, machten ihn mit der Kunst des Islam bekannt. Die Ornamentik maurischer Kachelmuster hielt Einzug in seine Kunst. Bilder entstanden, auf denen sich im Rapport ein Ornament ins andere verschlingt, verwirrend auf den ersten Blick, doch klaren Gesetzen folgend.

Später werden seine Bilder luftiger, atmosphärischer, gewinnen an Wärme. Über diffusem Farbgrund schweben Quadrate in vibrierender Ordnung. Was vorher in abgemessenen Stufen ornamentaler Nebenordnung organisiert war, beginnt noch zögerlich ein seeliches Eigenleben zu entwickeln. Die Formen werden an den Rändern weich moduliert, die malerische Delikatesse steigt beträchtlich.

Peter Albert, dem die Farbe immer wichtiger wurde, entwickelt sich zum mutigen Coloristen; gewagte Farbkombinationen gewinnen die Überhand über die konstruierte Struktur, die Peter Albert weiter als Gerüst gebraucht. Ihm geht es jetzt um das Festhalten von Stimmungen, auch ambivalenten Gefühlen.

Seine neuen Bilder sind subtile Metamorphosen von Erlebtem. Aus dem Gesamtklang der Bilder lösen sich Einzelklänge, Farbakkorde, auch gelinde Dissonanzen. Der Vergleich mit Claude Monets Heuhaufen drängt sich auf, nur daß es hier nicht um die Hülle der Erscheinung geht, sondern um den Kern des Wesens.

In ihrer Grundstruktur sind alle Bilder der Reihe gleich; in der Mitte des großen quadratischen Bildgevierts gibt es ein zweites Quadrat, das ein Viertel der Bildfläche einnimmt. Einem Raster folgend wird eine variable Binnengliederung festgelegt, in welche die Farben in einem langen Prozeß des Findens und Verwerfens eingeschrieben werden. Die Verschränkung der Ebenen läßt dabei den Raum changieren.

So paradox es scheint: Peter Albert gewinnt eine sublimierte Dringlichkeit, die an Morandi-Stilleben denken läßt und gleichzeitig keine gegenständliche Assoziation zuläßt.

Im Gespräch sucht Peter Albert den Vergleich zur Musik: Wie ein Pianist die Mathematik der Musik vergessen läßt, will er die meßbare Grundstruktur seiner Bilder vergessen lassen.

Tim Sommer
ZWISCHEN VERTIKAL UND HORIZONTAL
Konstruktiv-konkrete Kunst aus Sachsen
Wroclaw 1998







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